
Handlungsfeld 2
Eukalyptus –
Fakten aus dem Forst
Die Koehler-Gruppe bezieht seit mehr als zehn Jahren Zellstoff von Eldorado Brasil. Wie die gesamte Papier- und Zellstoffindustrie sehen sich beide Unternehmen mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht besonders umweltschonend zu arbeiten. Wir fragen direkt an der Quelle nach den häufigsten Vorurteilen – und liefern die Fakten gleich mit.
Warum Zellstoff aus Brasilien?
Grundsätzlich achten wir bei der Koehler-Gruppe darauf, Rohstoffe aus der Region zu beziehen, erklärt Burkhard Krücke, Leiter Supply Chain Management bei Koehler Paper. Für Getränkeuntersetzer etwa das Fichtenholz, das bei der Durchforstung des Schwarzwalds anfällt. „Für unsere Spezialpapiere setzen wir auf einen Mix aus Lang- und Kurzfasern. Er macht das Material besonders robust, sodass unsere flexiblen Verpackungspapiere auch bei niedriger Grammatur fest und haltbar sind“, führt er aus.
Mit einem Anteil von rund 63 Prozent ist Brasilien weltweit führend in der Produktion von gebleichtem Eukalyptus-Kraftzellstoff. In Eldorado Brasil hat die Koehler-Gruppe einen Partner gefunden, der konstant gute Qualität zu wettbewerbsfähigen Konditionen liefert. Auch in puncto Nachhaltigkeit setzt das Unternehmen Maßstäbe: Mit einer EcoVadis-Gold-Bewertung gehört es zu den Top fünf Prozent der Industrie.

„Für unsere Spezial-
papiere brauchen
wir spezielle Fasern.“
Burkhard Krücke
Leiter Supply Chain Management bei Koehler Paper


des gebleichten Eukalyptus-
Kraftzellstoffs weltweit
kommen aus Brasilien.
Wird für Zellstoff der Amazonas-Regenwald abgeholzt?
„Ganz sicher nicht“, beruhigt Carlos Justo da Silva. Er leitet den Forstbetrieb bei Eldorado Brasil und verdeutlicht die Dimensionen: „Die Eukalyptusplantagen liegen im Osten des Bundesstaates Mato Grosso do Sul. Der Abstand zum Regenwald entspricht etwa der Entfernung vom Mittelmeer bis zur Ostsee.“ Mato Grosso do Sul ist ungefähr so groß wie Deutschland, hat aber weniger als drei Millionen Einwohner. Das Ökosystem unterscheidet sich deutlich vom Regenwald; es gibt ausgeprägte Trocken- und Regenzeiten. Der Eukalyptus wächst in einer Savannenregion auf ausgelaugten Böden, die sich nicht mehr als Weideland eignen.



Saugt Eukalyptus den Boden aus?
Diese Vorstellung halte sich hartnäckig, bedauert Justo da Silva. „Tatsächlich verbrauchen Eukalyptusplantagen etwa so viel Wasser wie natürliche Wälder. Eukalyptus geht aber deutlich effizienter damit um und produziert mit jedem Liter Wasser bis zu viermal so viel Biomasse wie Waldbäume“, erklärt er. Die Plantagen liegen in einer Region, in der es wenig regnet. Die Regierung hat die Flächennutzung so geplant, dass in den feuchteren Regionen Kulturen wie Kaffee, Soja, Reis und Weizen Vorrang haben.
Mögliche negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt verhindert Eldorado Brasil durch technische Maßnahmen. Entlang von Flüssen bleiben Schutzzonen erhalten und der Boden wird so schonend wie möglich behandelt.

„Eukalyptusplantagen
produzieren mit jedem
Liter Wasser bis zu vier-
mal so viel Biomasse wie
Waldbäume.“
Carlos Justo da Silva
Leiter des Forstbetriebs bei Eldorado Brasil
Kann Plantagenwirtschaft nachhaltig sein?
Noch bevor der erste Setzling in die Erde kommt, wird jede Fläche mit modernster Technik untersucht. Stimmt das Mikroklima? Wie ist der Zustand des Bodens? Ist die Fläche besser für Eukalyptus geeignet oder sollte sie als Schutzzone ausgewiesen werden? Von den 436.000 Hektar, die Eldorado Brasil bewirtschaftet, sind mehr als 23 Prozent nicht bepflanzt, sondern dienen als Naturreservate.
Im eigenen Forschungszentrum wird an Eukalyptussorten gearbeitet, die widerstandsfähiger sind und noch bessere Faserqualitäten liefern. Um möglichst wenig Pestizide gegen den Eukalyptusblattkäfer einzusetzen, unterhält das Unternehmen eine eigene Zucht von Schlupfwespen und anderen Nützlingen. Dünger wird ebenfalls sparsam und nur ganz gezielt verwendet. „In den Traktoren gibt es Autopiloten, die auf dem Feld das umsetzen, was im Büro geplant wurde – auf fünf Zentimeter genau“, berichtet Carlos Justo da Silva und fasst zusammen: „Nachhaltigkeit ist bei Eldorado kein statischer Zustand – sie ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, den wir mit wissenschaftlicher Akribie vorantreiben.“
Bewirtschaftete
Fläche von Eldorado
in Hektar
- 296.000 ha
Plantagen - 101.000 ha
Schutzzonen - Straßen, Wege, Gebäude

Zellstoff produziert Eldorado
Brasil jährlich.

Macht der weite Transport nicht alles zunichte?
Zellstoff aus Brasilien legt weite Strecken zurück, doch die Ökobilanz ist komplexer, als die reine Entfernung vermuten lässt. Aktuell hat Eldorado Brasil einen um 30 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck als andere brasilianische Produzenten. „Das liegt daran, dass wir einen Großteil der Energie, die wir brauchen, mit Biomassekraftwerken selbst produzieren“, erklärt Reginaldo Gomes – eine weitere Parallele zur Koehler-Gruppe.
Der Schiffstransport über den Atlantik verursacht die meisten Emissionen in der Logistik, und das ist kurzfristig schwer zu verbessern. Aber auf der Landstrecke tut sich etwas: Zurzeit rollt der Zellstoff noch per Lkw von Mato Grosso do Sul zum 900 Kilometer entfernten Hafen Santos. 2028 soll die Bahnstrecke fertiggestellt sein, die das Werk direkt an das Schienennetz anbindet. Dann werden die Emissionen auf diesem Abschnitt um bis zu 60 Prozent sinken. Bei den Lkw, die das Holz zum Zellstoffwerk bringen, testet Eldorado Brasil gasbetriebene Fahrzeuge. Carlos Justo da Silva ist zuversichtlich: „Irgendwann werden wir elektrische Lkw haben – und den Strom dafür produzieren wir selbst.“

weniger CO2 als andere Zell-
stoffproduzenten in Brasilien emittiert Eldorado Brasil.
Wie steht es um Landrechte und soziale Aspekte?
Mehr als 96 Prozent der bewirtschafteten Flächen besitzt Eldorado Brasil nicht selbst, sondern pachtet sie. Das Modell ist bewusst gewählt und hat weitreichende soziale Auswirkungen. „Früher haben Unternehmen einfach alles aufgekauft und die Menschen von ihrem Land vertrieben“, erklärt Reginaldo Gomes, Leiter des Zellstoffvertriebs von Eldorado Brasil in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. „Wir machen es anders. Die Familien bleiben Eigentümer ihres Landes, dadurch haben wir ein ganz anderes Verhältnis. Wir sind Partner.“ Die Verträge mit den fast 400 Familien laufen in der Regel über vierzehn Jahre – zwei Eukalyptuserntezyklen – und werden dann neu verhandelt. Bisher haben alle verlängert.
Eldorado Brasil hat für wirtschaftlichen Aufschwung in der Region gesorgt. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 5.000 Menschen direkt und viele mehr entlang der vorgelagerten Wertschöpfungskette. Die allermeisten von ihnen kommen aus der Region. Und Eldorado Brasil ist ein beliebter Arbeitgeber. „Oft fängt eine Person bei uns an und bringt nach und nach mehrere Familienmitglieder mit“, merkt Gomes an. „Das ist auch bei Koehler so“, zeigt Krücke die Gemeinsamkeit auf.

„Die Familien verpachten
uns ihr Land – das macht
uns zu Partnern.“
Reginaldo Gomes
Leiter des Zellstoffvertriebs bei Eldorado Brasil in Europa,
dem Nahen Osten und Afrika

Jahre dauert es, bis
Eukalyptus erntereif ist.
Menschen beschäftigt
Eldorado Brasil.